An ausserordentlich schöner Lage, mit Blick von den Alpen bis zum Bielersee, steht das 1972 von Hansruedi Lanz entworfene Schulhaus Bellmund. Die Schulanlage soll nun ergänzt und optimiert werden und den Anforderungen des Lehrplan 21 entsprechen.
Dazu wird die bestehende Anlage mit einem zweigeschossigen Neubau für den Zyklus 1 im südlichen Perimeter ergänzt. Präzise gesetzt, fügt sich das Haus selbstverständlich in die Topografie: Eingeschossig zum Schulhof, zweigeschossig zur offenen Landschaft im Süden. Bestehende architektonische, denkmalpflegerische und umgebungsgestalterische Qualitäten werden gestärkt. Mit seiner eingeschossigen Erscheinung zum Pausenplatz ordnet sich das Haus dem Bestand unter, lässt den Bezug und Blick in die Landschaft offen.
Der transparente, pavillonartige Bau spannt einen vielseitigen und erlebnisdichten Aussenraum zwischen den Häusern auf. Durch eine neue, breite Aussentreppe erlangen die Sportplätze der unteren Ebene bessere Anbindung an den Pausenplatz und die Bauten der Schulanlage.
Der Neubau beheimatet den Zyklus 1, also die kleinsten Schülerinnen und Schüler, und wird deren spezifischen Ansprüchen gerecht: ein klares Raumkonzept über zwei Geschosse erleichtert die Orientierung, die Kindergarten- und Unterrichtsräume verfügen über unmittelbare Anbindungen an die Aussenräume. Im Erdgeschoss, auf Pausenplatzniveau, befinden sich die Räume für drei Kindergärten, bzw. Basisstufenklassen. Über eine gemeinsame Veranda verfügt jede Gruppe über einen eigenen Zugang direkt in die Garderoben. Hauptraum, Gruppenraum und Garderobe bilden im Grundriss einen Kreislauf um einen zentralen Kern mit Küche und Nassbereichen. Dadurch wird eine maximale Flexibilität in der Tagesgestaltung der altersgemischten Klassen ermöglicht.
Grosse Verglasungen süd- und nordseitig schaffen einen starken Aussenbezug und eine gute Einsehbarkeit der Aussenspielräume. Jede Kindergartengruppe verfügt über eigene Nasszellen und eine kleine Teeküche. Die drei Haupträume sind mittels Türen verbunden und ermöglichen bei Bedarf den Austausch.
Im Sockelgeschoss, das über eine breite Treppe vom Pausenplatz aus erschlossen wird, verorten sich die zwei Klassenzimmer der 1./2. Klasse, Bibliothek, Malraum, Arbeitsbereich für Lehrpersonen sowie Lager- und Technikräume. Aus dem zentralen Garderoben- und Erschliessungsraum öffnet sich der Blick durch die verglasten Gruppen- und Mehrzweckräume in die Landschaft. Lichtschächte bei Treppe und Lift bringen Tageslicht von oben und ermöglichen spannende Blickbezüge ins obere Geschoss.
Nachhaltigkeit
Der grösste Hebel bezüglich ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit ist die Suffizienz: die Beschränkung auf das tatsächliche Notwendige, und damit eine Reduktion des neu- und umgebauten Gebäudevolumens. Mit einer äusserst effizienten Grundrissorganisation ohne reine Erschliessungsflächen kann der Neubau, trotz grosszügiger und attraktiver Schulräume, mit einer reduzierten Geschossfläche von nur rund 1250 m2 realisiert werden.
Im kompakten Gebäudekörper werden Materialien sparsam und ihren Eigenschaften entsprechend verwendet. Dabei wird Wert auf Langlebigkeit, Rezyklierbarkeit und einfachen Unterhalt gelegt. Im Neubau wird eine kontrollierte Lüftung vorgeschlagen, die für konstant gute Luftqualität und höhere Energieeffizienz sorgt. Die konsequente Systemtrennung berücksichtigt die unterschiedliche Lebensdauer der Bauteile. Mit der Vermeidung von Verbundstoffen wird eine zukünftige Rezyklierung vereinfacht.
Die CO2-arme Konstruktion umfasst ein statisches System aus Holz mit rationalen Achsmass und Bauteildimensionen. Im Untergeschoss wird, wo möglich, Recyclingbeton verwendet. Mit angemessenen haustechnischen Mitteln werden Ressourcen auch im Betrieb geschont.
Grosse Beachtung gilt dem sommerlichen Wärmeschutz: Im Sommer sorgen die aus PV-Elementen bestehenden Brise-Soleils für Beschattung der südseitigen Fensterfassade, während die grossen Verglasungen im Winter für Wärmeeintrag sorgen. Im Bestand wird der aussenliegende Sonnenschutz automatisiert. Nach Möglichkeit werden die Bestandsfenster mit Steuergeräten nachgerüstet, um eine kontrollierte Nachtauskühlung zu realisieren.
Sofern die Gemeinde Bellmund über eigene Wälder verfügt, bietet es sich an, das Gebäude mit gemeindeeigenem Holz zu erstellen. Dieser Eingriff in die konventionellen Lieferketten bedeutet zwar einen planerischen Mehraufwand. Der stärkere Miteinbezug des lokalen Handwerks, kurze Wege sowie die starke Identifikation durch die Verwendung von regionalem Holz sind die überwiegenden positiven Effekte des Bauens mit lokalen Rohstoffen.
Konstruktion und Materialisierung
Das Sockelgeschoss des Neubaus liegt nordseitig komplett im Erdreich. Dieses Geschoss wird als Massivbau mit betonierter Boden- und Deckenplatte ausgeführt und aussen gedämmt. Die Basisstufenräume im Erdgeschoss sind als vorfabrizierter Holzbau mit wirtschaftlichen Spannweiten vorgesehen. Dabei bilden die Nord- und Südfassade, sowie die Mittelachse dazwischen die Tragachsen der Primärstruktur.
Die Decke wird als Elementdecke in Holz und Lehm vorgeschlagen. Die Masse des Lehms führt zu thermischer Trägheit der Bauteile, was den sommerlichen Wärmeschutz garantiert. Zusätzlich regulieren die offenporigen Naturmaterialien die Luftfeuchtigkeit. Der Lehm besteht aus Aushubmaterial. Die Elemente werden vorgefertigt und sind auf der Baustelle rasch montiert.
Die äussere Erscheinung des Neubaus, mit hinterlüfteter Fassade aus silbergrauen Metallpaneelen und grossen Fensterflächen gegen Norden und Süden, orientiert sich in ihrer monochromen Zurückhaltung an der nüchternen Beton- und Glasarchitektur des Bestandes. Die äussere Materialisierung steht im Kontrast zur hölzernen und wohnlichen Materialisierung des Innenraums: Konstruktionshölzer in Fichte werden mit Wandoberflächen in Weisstanne ergänzt. Einbauten und Möblierung setzen Farbakzente. Vorhänge bieten Sichtschutz zwischen den Räumen und gegen aussen.